Lys Tagebuch - Was zum???
Ein leises Summen drang an meine Ohren... Und dann stach ein merkwürdiger Geruch in meine Nase... Was zum? Geruch? Ich konnte nichts mehr riechen, seit ich den künstlichen Körper besass... Wieso roch ich Desinfektionsmittel?
Langsam öffnete ich die Augen, und als sich mein verschwommener Blick etwas klärte, guckte ich an eine graue Decke... Seit wann ist das Jenseits grau?
Wo, verdammt nochmal, war ich?
Langsam hob ich den Kopf etwas... Ich konnte mich bewegen, das beruhigte mich etwas... Schlagartig sass ich aufrecht im Bett...
Wie, zum Henker, bin ich ins Institute gekommen? Ich befand mich in meinem Schlafraum im Institute...
Vorsichtig schwang ich die Beine aus dem Bett... Irgendwas war anders... Mein Körper fühlte sich anders an... Mal davon abgesehen, dass ich riechen konnte. Ich sah meine Hände an... Graue Kunststoffplatten... Meine Oberschenkel auch... Das war gleich... Aber was... Es war definitiv ein synthetischer Körper, aber nicht meiner... Obwohl, es war meiner, aber nicht mein alter... Menno, ich bekam fast Kopfschmerzen bei der Denkerei... Wieso war ich hier, wieso existierte mein Bewusstsein noch?
Ein Geräusch liess mich zusammen zucken. Es war eine der weissbekittelten Wissenschaftlerinnen des Institutes, die meinen Schlafraum betreten hatte. Bevor ich sie anraunzen konnte, wie ich hier her gekommen war, lächelte sie mich an und stellte erfreut fest, dass ich wach war.
Dann begann sie mir zu erklären, dass der Courserchip einen Notteleport ausgelöst hatte. Mein demolierter Körper war im Institute gelandet... Er war nicht mehr zu retten gewesen, aber mein Bewusstsein war noch intakt. Daher konnten die Wissenschaftler mein Bewusstsein in einen neuen Körper transferieren.
Es war der Prototyp eines verbesserten Typ2 Synth, der übrigens mit Geruchssinn ausgestattet war... Sie hatten es geschafft, meine Memory Einheiten in diesen Körper einzubauen. Da mein Bewusstsein eine erneute Kopie wohl nicht unbeschadet überstanden hätte, mussten sie die Hardware umbauen... Das Bewusstsein war schon zu oft kopiert worden und drohte zu fragmentieren. Das bedeutete, ich sollte mir nicht den Kopf wegschiessen lassen. Solange der intakt blieb, konnten sie meine Memory Einheiten in einen neuen Körper einbauen... Das war auch der Grund, warum sie mir keinen Typ3 Synth Körper verpasst hatten, der von einem echten Menschen nicht zu unterscheiden war...
Ok... Das reichte mir... Ich wollte hier raus...
Die Wissenschaftlerin wollte mich noch überreden, einige Tests mitzumachen... Ich hatte allerdings die Schnauze voll von Tests und ähnlichem. Die Wissenschaftlerin seufzte und meinte dann, ich solle aber vorsichtig sein. Dann machte sie mich mit der Energieversorgung des Körpers vertraut... An der Stelle, wo man am Strand nie mit der Sonnencreme hinkommt und jemanden fragen muss, ob... Also, genau an dieser Stelle steckte ein Fusionskern... Er sollte eine ganze Weile halten, da er neu war. Allerdings musste er irgendwann ausgetauscht werden. Dabei würde sie mir gerne helfen, wenn es soweit war...
Ich bedankte mich bei der Wissenschaftlerin und suchte mir dann Kleidung zusammen... Dabei fand ich auch meine Waffen, fein säuberlich in einem Schrank verstaut... Ordentlich waren sie hier ja, das musste man ihnen lassen.
Jetzt fühlte ich mich schon besser...
Dann machte ich, dass ich aus dem Institute heraus kam. Nick wartete auf mich...
Draussen tobte ein Radsturm...
Na toll... Gleich ne Ladung Strahlung für den neuen Körper... Da hatte sich nichts dran geändert. Dieser Synthetische Körper mit der ganzen Elektronik, war genau empfindlich, wie der alte.
Ich wanderte zu meinem Bunker und dabei fand ich einige Unterschiede zu meinem alten Körper heraus... Ich konnte wieder riechen, eventuell auch schmecken... Wobei die Wissenschaftlerin meinte, ich bräuchte nur genug Flüssigkeit für die Kühlung... Daran hatte sich also nichts geändert.
Im normalen Modus war ich nicht mehr ganz so schnell, wie früher... Ich konnte auch nicht mehr aus dem Stand über einen Fabrikzaun hopsen... Aua... Als ich das versuchte, sprang ich voll in den Maschendraht... Von der Kraft und Schnelligkeit her, war ich wohl eher auf dem Level, wie mit einem Körper aus Fleisch und Blut. Ich musste also etwas aufpassen, bis ich mich an den Körper gewöhnt hatte.
Leider war Nick nicht in meinem Bunker... Er hatte wohl aufgegeben zu warten. Ich wanderte nach Diamond City und hinterliess eine Nachricht bei seiner Sekretärin. Ausserdem auch die ganzen Holotapes... Dann kehrte ich zu meinem Bunker zurück.
Es dauerte nicht lange, da sprach mich ein Minutemen an, als ich runter in die Siedlung ging... Er hatte eine Nachricht von Nick... Er hatte mit den Holotapes herausgefunden, wo sich Eddie Winters aufhielt und bat mich, ihn bei Andrew Station zu treffen. Ich machte mich gleich auf den Weg.
Doch bei Andrew Station fand ich keinen Nick, nur einige aufgebrachte Raiders... Wo steckte dieser dusselige Synth?
Nachdem ich draussen für Ruhe gesorgt hatte, betrat ich den Busbahnhof... Als ich Ärger mit einigen Raiders bekam, hörte ich Nicks vertraute Stimme von einer Rolltreppe her... Nachdem ich alle Raiders davon überzeugt hatte, mich in Ruhe zu lassen, grinste mich Nick an, und fragte, was mich aufgehalten hatte.
Ich erklärte ihm, dass es mich erwischt hatte und ich eigentlich tot war, wenn ich nicht genauso synthetisch gewesen wäre, wie er.
Das liess ihn erst einmal nachdenklich verstummen... Aber nicht lange.
Eddie war unten in der alten U-Bahn Station zu finden. Also machten wir beide, dass wir da runter kamen.
Es wimmelte nur so von durchgeknallten Raiders... Aber unserer geballten Feuerkraft hatten sie nicht wirklich etwas entgegen zu setzen.
Trotzdem flogen uns die Kugeln nur so um die Ohren...
Aber wir feuerten volles Rohr zurück... So arbeiteten wir uns immer tiefer in die Kanalisation vor, bis wir schliesslich in einem Seitengang an eine Tür kamen, mit einem Tastenfeld. Nick meinte, mir gebühre die Ehre, den Code einzugeben, da ich immerhin die Holotapes zusammengetragen hatte. Er diktierte mir den Code und ich gab ihn ein.
Die Tür schwang auf und...
... Who the fuck are you? Wollte ein Ghoul wissen... Ich fragte zurück, wer vef... nochmal er war... Doch als Nick hinter mir auftauchte, war ich uninteressant. Es dauerte nicht lange und Eddie Winters kapierte, wer der alte, etwas ramponierte Synth war.
Er meinte, Nick solle es gut sein lassen, Valentine war tot und das schon jahrelang... Nick wäre nur eine billige Kopie... Doch das war egal, meinte Nick, Eddie solle für seine Taten gerade stehen, denn Nick Valentines Tochter war ein liebes Mädchen gewesen und hatte es nicht verdient so zu sterben... Dafür solle Eddie Winters bezahlen...
Ich ahnte was nun kam und mein Gewehr kam schon hoch, als die beiden Streithähne zu ihren Revolvern griffen. Bevor Eddie mit seiner Waffe richtig auf Nick zielen konnte, jagte ich ihm eine Kugel in den Kopf...
Zuerst schien Nick wütend zu sein, dass ich Eddie erledigt hatte und nicht er... Er stürmte aus dem Raum und machte, dass er auf die Strasse kam.
Draussen hockte er sich auf die Strasse und musste erst einmal wieder klar kommen. Dann seufzte er und meinte, wichtig war allein, dass Eddie Winters seine Strafe bekommen hatte...
Doch dann begann er zu sinnieren, ob Eddie nicht recht hatte, dass er nur eine billige Kopie war und die ganzen Gedanken und Erinnerungen nicht seine eigenen waren. Ich sagte ihm, es wäre doch egal, was er mal gewesen war, er war jetzt Nick der Privatdetektiv, mit einer netten Angestellten... Das war ganz allein sein Leben... Das hatte er sich aufgebaut, nicht der Polizist Valentine aus einem vorherigen Leben...
Langsam kam ich zu Nick durch...
Er meinte dann, es war wahrscheinlich wirklich egal, wer er mal gewesen war. Das wir das Puzzle gelöst und Eddie seiner gerechten Strafe zugeführt hatten, war allein unser Werk... Ja, genau so...
Ich war froh, dass Nick sich nicht eine Kugel in den Kopf jagte, wie ich kurz befürchtet hatte... Allerdings wollte er erstmal alleine sein... Das verstand ich.
Und so verabschiedeten wir uns...
Doch im Weggehen meinte Nick, ich solle ihm einen Gefallen tut und mit der Reporterin Piper reden. Damit würde ich ihm und seiner Freundin eine Freude machen.
Piper... Bisher war ich ihr aus dem Weg gegangen. Die Art, wie sie mich benutzt hatte, um wieder in die Stadt zu kommen, hatte mir nicht gefallen... Aber vielleicht sollte ich langsam mal verzeihen, da es schon eine ganze Weile her war... Einige Leben sozusagen...
Ok... Also wanderte ich nach Diamond City... Dort suchte ich Piper, die ich in der Druckerei fand.
Piper konnte es gar nicht glauben, dass ich freiwillig zu ihr kam... Und noch weniger konnte sie glauben, dass ich ihr das Interview geben wollte.
Ich dachte, sie würde mir nur einige Fragen stellen, dann wäre es vorbei. Aber Piper wollte mehr. Sie wollte mich einige Zeit begleiten... Ok... Wenn sie schon mein Leben kennen lernen sollte, dann richtig... Meinen Bunker, meine Freunde, Leute denen ich geholfen hatte und vor allem, die brenzlichen Situationen, in die ich laufend kam... Kugeln, die mir um die Ohren flogen, Feinde, die mich fressen wollten, oder mindestens töten, wenn sie merkten, dass Fressen nicht ging.
Das Interview selber war kurz und schmerzlos... Und ich sagte ihr die Wahrheit über meine Vergangenheit. Das ich aus einem Vault kam, wusste sie schon, aber nicht viel mehr. Sie wollte wissen, wie es sich in einem Vault so lebte. Das konnte ich ihr leider nicht sagen, da meine Familie eingefroren war, während Vault-Tech mich in einen Roboter verwandelte und mich dann ebenfalls einfror, weil alles den Bach runter ging...
Piper begriff, dass ich vor dem Krieg geboren worden war und sah mich an, als wenn ich Superkräfte hätte... Nach dem Interview, war die vorher so fordernde und vorlaute Piper recht still... Meine Geschichte hatte sie wohl nachdenklich gemacht.
Dann fragte ich sie, ob sie meinen Vault besuchen wolle... Piper sah mich überrascht an... Dann nickte sie begeistert... Da war sie wieder, die eifrige und neugierige Zeitungsfrau.
Wir machten einen kurzen Stop bei den Robots und ihrer Gärtnerei... Piper staunte nicht schlecht, als sie sah, dass die Robots alles allein machten und sogar einige Siedler mit versorgten, die ich bei ihnen untergebracht hatte... Sie hatte schon Gerüchte über diese Gärtnerei gehört, aber nie etwas konkretes.
Dann wanderten wir weiter... Wie üblich wurden wir ein paar mal überfallen, aber ich putzte die Gegner meistens weg, bevor Piper ihren Revolver ziehen konnte. Im Kampfmodus war der neue Körper nicht viel langsamer als der alte... Die Energiereserven waren nur nicht ganz so hoch.
Schliesslich erreichten wir den Eingang zum Vault... Ich merkte, dass Piper ganz aufgeregt war... Sie war noch nie in einem Vault gewesen. Vielleicht sollte ich sie mal mit in den Vault 81 nehmen... Der einzige mir bekannte Vault, der genau das gemacht hatte, was Vaults eigentlich machen sollten. Beschützen...
Wir fuhren mit dem Fahrstuhl nach unten...
Unten angekommen, dekontaminierten wir uns... Piper hatte eine recht ansehnliche Figur... Wie ich nebenbei bemerkte, als sie duschte.
Dann zeigte ich ihr den Teil des Vaults, den ich bewohnte... Was hinter den verrammelten Türen war, fragte sie. Ich erklärte ihr, dass es ein Friedhof sei. Alle Bewohner, ausser mir und meinem Kind, waren hier unten umgekommen. Niemand sollte die Ruhe der hier Gestorbenen stören.
Das verstand Piper und bohrte auch nicht weiter nach.
Der kleine Teil, den ich bewohnte vermittelte ihr schon einen guten Eindruck, wie sich so ein Bunker anfühlte. Sie staunte über die Sauberkeit und dass es hier warm und trocken war... Wenn sie dieser auf Notstrom laufende Vault schon beeindruckte, wie würde sie erst über das Institute staunen... Doch das Institute erwähnte ich erstmal nicht... Ich wollte keine schlafenden Hunde wecken.
Da Pipers Kleidung für die Wildnis und meine Wanderungen nicht wirklich geeignet war, verpasste ich ihr aus meiner Sammlung an Klamotten ein wildnistauglicheres Outfit. Ihren Mantel kürzten wir kurzerhand, denn er war eigentlich ganz gut, nur zu lang.
Dann machten wir uns auf den Weg... Wohin, wollte Piper wissen.
Ich hatte noch eine Mission für die Railroad zu erledigen. Die Reporterin war sofort begeistert, da sie ein aufregendes Abenteuer und eine tolle Story witterte. Ich meinte nur, sie solle den Kopf unten halten und hinter mir bleiben, wenn es heftig wurde... Und es würde definitiv heftig werden.
Es galt einen durchgeknallten Courser zu jagen, der sich nach Nuka World abgesetzt hatte...
Bei einem Händler auf der Strasse konnte ich für Piper noch ein wenig Ausrüstung kaufen... Dieser Händler hatte anscheinend ein altes US-Army Depot gefunden und sich den Inhalt unter den Nagel gerissen. Er besass sogar einen funktionierenden Laster... Das war das erste funktionierende Fahrzeug, was nicht der BoS gehörte, das ich seit dem Krieg sah...
Der Händler meinte, er würde noch eine Weile in der Gegend bleiben, falls wir noch etwas brauchten.
Gut zu wissen...
Der Händler wollte noch von Piper wissen, wo sie denn diese krasse Synth her hatte... Piper lachte und meinte nur, diese krasse Synth sei ihr Auftraggeber.
Damit wanderten wir weiter nach Westen...
Lys Tagebuch - Eintrag Ende